kinder können sich nicht wehren!!

nun.. so etwas habe ich bisher noch nie gemacht -
das ich meine ganze kindheit aufschreibe, bis ins noch so kleinste detail und dies dann der öffentlichkeit so derart preis gebe.

der gedanke kam mir nachdem ich den film „butterfly effect“ ansah.
ich weiß nicht ob es gerade der film mit bestimmten szenen darin auslöste..
allgemein bin ich für szenen in denen kinder körperliche gewalt erfahren sehr sensibel.

hmm verrückt, aber als ich gerade daheim auf dem balkon im kalten stand und eine zigarette rauchte, schoss mir der gedanke geradewegs so durch den kopf das in mir alles bebte und ich zu zittern begann. mir wurde plötzlich kalt und ich konnte mir ein paar tränen nicht verkneifen. die vorstellung das in diesem moment mein dad hinter mir stand und seine hand auf meine schulter legen würde widerte mich an.

ich mache bei weitem kein großes geheimnis aus meiner vergangenheit.
als ich vor ca. gut zwei jahren anfing das erst alles zu realisieren, verarbeitete ich es in gedichten und derartigen texten, da ich keinen hatte mit dem ich darüber reden konnte.

.Story                                                                                                                          
mein vater konnte nie so recht mit seinen agressionen umgehen.
daher war es keine seltenheit, dass meine schwester und ich dann meist herhalten mussten.
ja in der tat, es ging solange, bis es zum alltag wurde.

an manchen abenden ging mein dad früh aus dem haus und kam dann angetrunken oder ganz besoffen wieder heim. wenn ich ihm dann über den weg lief, schreite er umher und machte mich blöd von der seite an. Als ich dann meist unschuldig vor mich hernuschelte, er solle bitte nicht so schreien, da ich davon angst bekäme, schrie er nur noch lauter.

meine mutter sagte zu alledem garnichts. die hielt sich eher aus solchen angelegenheiten heraus.. entweder saß sie dann in ihrem schlafzimmer und versuchte zaghaft einzuschlafen um nichts von den streitereine mit unserem vater mitzubekommen oder las in ruhe ihre zeitung weiter, als wäre alles in ordnung.

ich würde schon fast behaupten, mein vater war damals streitsüchtig.
Ja.. es kam rüber wie als wäre es eine sucht, die er täglich befriedigen musste.
.. total besessen von dieser sucht ..

mit solchen aktionen setzte er meiner schwester und mir sehr seelisch zu, und jagte uns eine höllen angst ein. .. und das ging jahre lang so.

eine „szene“ behalte ich immer in meinem kopf, wie ein märchen das man nie vergisst.
ich saß in meinem zimmer am schreibtisch, wärend ich die schulhausaufgaben machte.
meine türe war offen und ich hatte das zimmerlicht, wie auch meine schreibtischlampe an.
wenn ich es recht weiß, war es so zwischen 18oo – 20oo uhr.

ich bekam einen streit zwischen meinem vater und meiner schwester mit. es ging wie so oft um etwas nichtiges. da ich meine zimmertüre sperrangelweit offen hatte, bekam ich jedes einzelne wort mit und das sachen vor wut auf den boden geschmissen wurden. ich holte meinen walkman, setzte die kopfhörer auf und drehte die musik ganz laut.. doch selbst das nützte nicht viel, um die schreie und schläge meiner schwester gegenüber nicht mitzubekommen.

da ich es nicht mehr aushielt, lief ich beängstigt und wütend zu gleich zu meiner mutter in das esszimmer, wo sie friedlich ihre zeitung studierte. ich merkte, dass ich ihr nichts sagen brauchte, da sie nichts unternehmen würde. sie hätte sich niemals zwischen dad und uns gestellt.

so ging ich wieder in mein zimmer, machte am absatz kehrt und rannte ins bad, wo meine schwester und mein vater sich stritten. meine schwester war zusammengekrümmt in der ecke und in ihren augen spiegelte sich die angst nur derart.. wärenddessen mein vater mit einem hausschuh vor ihr stand und geradewegs ausholte. mir liefen die tränen unaufhaltsam herab, als ich zu schreien begann er solle sie in ruhe lassen.
er drehte sich zu mir um und ich sah diese unerklärliche wut in seinem gesicht das es mir kalt den rücken herablief. er brüllte mich an, dass das eine sache zwischen ihm und meiner schwester wäre, ich mich da rauszuhalten habe und knallte anschließend die tür vor mir zu.

es gab viele solche momente, in denen ich mich am liebsten einfach nur weit weggewünscht hätte.

wenn ich mitbekam das er betrunken heimkam, bekam ich eine so heiden angst dass mich gleich unter meinem schreibtisch versteckte. doch das nützte mir oft garnichts.

so weiß ich, wie es ist, wenn man als unschuldiges kind am eigenen leib von den eltern ausgehende gewalt erfahren muss. ich kann euch genau beschreiben, wie es sich anfühlt, mit einem ledergürtel oder einem hausschuh blau geprügelt zu werden...


inzwischen schlägt er uns nicht mehr, was die angelegenheit jedoch auch nicht mehr mildert. meine schwester hat es wohl mehr oder weniger erfolgreich geschafft dies alles zu verdrängen und scheinbar zuvergeben.

was mich betrifft, ich werde das glaube ich niemals vergessen. das ist eine sache, die mich für das leben geprägt hat und das was ich nun bin aus mir machte.
genauso glaube ich, das meine depressionen die ich öfters habe daher kommen.
zwischen mir und meinem vater herrscht so eine art hassliebe.
manchmal wollte ich ihn schon fragen warum.. aber traute mich nicht oder wollte mir einreden, dass es ihm ja auch bestimmt leid tat und er das damals alles garnicht wollte..
streitsüchtig ist er nachwievor immer noch. daran hat sich nie etwas geändert.
ich weiß jedoch nicht, ob ich heute wirklich respekt vor meinem vater habe oder ob es nicht doch nur die erfurcht vor ihm ist...


.. vielleicht möchte ich hiermit / in dem das ich alles so genau verfasse, versuchen.. meine vergangenheit ruhen zu lassen, um endlich nicht mehr darüber nachdenken zu müssen ...
und anzufangen mein leben zu genießen! ..
{04.November 'o4}